Positiver Rassismus ist trotzdem negativ

Jeder weiss was Rassismus ist und wird sicherlich bezeugen, dass es etwas negatives ist. Allerdings gibt es auch etwas, das ich „positiven Rassismus“ nenne; bitte anschreiben, falls es dafuer einen korrekten Begriff gibt. Sprich wenn man wegen des anders seins (etwa andere Hautfarbe) besser behandelt wird, als andere Menschen. Hoert sich grundsaetzlich gut an, wenn man allerdings einfach normal wie alle Anderen auch behandelt werden will, kann es sehr schnell nervig werden und man fasst es negativ auf.

Dieser positive Rassismus begegnet mir in Kenia immer wieder, wobei ich manchmal gar nicht bemerke, dass ich anders behandelt werde. Als ich etwa mein Freiwilligenjahr in Kenia gmeacht habe, bin ich oefter beim Nyayo Stadium schwimmen gewesen; manchmal alleine, manchmal mit anderen Freiwilligen, aber immer nur mit Weissen. Letzte Woche war ich also wieder dort schwimmen, diesmal mit meinem Gastbruder. Das Schwimmbecken ist fuer Wettkaempfe ausgelegt und dort trainieren auch oefter Schwimmvereine. Als wir also zum tiefen Ende geschwommen sind, ist ein Bademeister zu uns gekommen, um meinem Gastbruder zu sagen, dass er hierher ned schwimmen darf, weil er nicht richtig schwimmt – sprich nicht fuer einen Wettkampf trainiert. Wohlgemerkt alles in Kiswahili und nicht auf mich bezogen, obwohl bei mir definitiv ersichtlich war, dass ich auch nicht fuer einen Wettkampf trainiere. Und anderen Kenianern, die hier schwimmen waren, wurde es genauso verboten. Die Einzigen, dei bis zum Ende schwimmen durften, waren also welche die trainieren und ich – bzw. bezogen auf die anderen Besuche dort: Weisse und alle die fuer Wettkaempfe trainieren.
Andere Beispiele: Im Supermarkt kann ich als Weisser meine Tasche mitnehmen, jeder Kenianer muss sie draussen deponieren; als Weisser kann man im Hilton monatelang rauchen gehen, ohne auch nur gefragt zu werden, ob man dort ueberhaupt ein Zimmer gebucht hat; man wird in vielen Geschaeften bzw. offiziellen Stellen auch bevorzugt und freundlicher behandelt..

Auch wenn ich mir dadurch viel mehr erlauben kann, fuehle ich mich trotzdem unwohl in meiner Haut, dass ich so behandelt werde, nur weil ich eine Weisse Haut habe. Mehr ueber „positiven Rassismus“ findet sich von einer Schweizerin in Ecuador hier

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5 Antworten to “Positiver Rassismus ist trotzdem negativ”

  1. stefon Says:

    Den Ausdruck „positive Diskriminierung“ gibts.
    Also das „anders“ Behandeln aufgrund gewisser Merkmale. Ist in der Situation die du beschreibst natürlich problematisch, aber verdammt schwer zu umgehen, kann ich verstehen.

    Spannend: Es gibt auch positive Diskriminierung die ich für sinnvoll erachte: Quoten für Frauen zb. Dort stellt es ein Werkzeug dar, um Frauen zu unterstützen die gleichen Chancen zu bekommen. Wenn sich ein gesellschaftlicher Zustand (Benachteiligung von Frauen) geändert hat, gehört natürlich auch die positive Diskriminierung weg.

  2. Stefan Says:

    Wobei „negativer“ Rassismus in Kenia wesentlch weiter verbreitet ist. Es gibt die unterschiedlichen Preise für „residents“ und „non residents“, wobei Schwarze fast nie nnachweisen müssen, dass sie Residents sind, Weiße aber immer.

  3. Daniela Says:

    Ich finde sowas allgemein schlecht. Jeder Mensch ist doch vor Gottes Augen ein und dasselbe.

    Grüße,

    Dani

  4. Tractari auto Says:

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  5. Traudel Says:

    Ich hoffe in den letzten Jahren hat sich einiges bei dir begrifflich verbessert. Dass was du fälschlicher Weise als „positiven Rassismus“ beschreibst nennt sich „Privileg“ und davon hast du als weiße, im globalen Norden sozialisierte Person Unmengen, die dir nur vorher nicht aufgefallen sind weil du aus einer mehrheitlich weißen Gesellschaft entspringst und somit deine Anonymität als Weiße Person pflegen konntest, was in Kenia nun nicht mehr der Fall war und sich dir bemerkbar gemacht hat – das was du als „unwohl“ bezeichnest.

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