Archive for Februar 2009

Polizei – dein Freund und Helfer!?

26. Februar 2009

Heute will ich erst was ueber die Polizei in Kenia schreiben.

Die Polizei ist zweigeteilt: Die normale Polizei und die administrative Polizei – AP – (die Militaeruniformen und Waffen, die ich bei einen Polizisten nicht sehen moechte, tragen – siehe hier). Die AP ist fuer die gefaehrlichere Arbeit gedacht (groessere Verbrecherjagd, Unruhen zerschlagen…), allerdings sieht man sie auch normale Polizeiarbeit verrichten – Autos kontrollieren oder einfach durch die Strassen patroullieren. Das waere eigenlicht kein grosses Problem, aber durch die Art und Weise, wie die Polizei arbeitet, fuehle ich mich definitiv nicht sicher, wenn Polizei in der Naehe ist.

Die Gruende dafuer: Die Polizei ist eine der (oder die) korruptesten Organisationen in Kenia. Daher kann man sich einerseits gegen Geld aus viele Probleme frei kaufen (die Bremsen funktionieren nicht so gut? – kein Problem, gegen ein Trinkgeld…). Andererseits nimmt die Polizei immer wieder Leute fest oder droht es an, mit fadenscheinigen Gruenden, um eben Bestechungsgeld zu bekommen. Das kann jetzt ein arbeitsloser Jugendlicher (mit den Grund zu laut zu sein oder die anderem Leute zu belaestigen, selbst wenn man hinter einem Geschaeft ist) sein oder eine Freiwillige (die ein Spion ist und versucht die Bananenpreise in Erfahrung zu bringen). Falls man kein Bestechungsgeld zahlt, kann man, wenn man Pech hat, eingesperrt werden. Besonders bloed ist es, wenns am Freitag abend passiert, weil am Wochenende keine Faelle bearbeitet werden – daher kann man durch sowas bis zu drei Naechte im Gefaengnis verbringen.
Gruende warum die Polizei so korrupt ist, koennten in der sehr schlechten Bezahlung und Behausung liegen.

Das naechste Unwohlsein verursacht die haeufige Benutzung von Feuerwaffen. Ich habe schon lange aufgehoert zu zaehlen wieviele Verbrecher von der Polizei erschossen wurden, seitdem ich da bin. Bei Bank- oder Raubueberfaellen kann ichs einigermassen nachvollziehen, weil die Kriminiellen auch viel brutaler sind, verglichen mit Oesterreich. Wenn allerdings die Polizeit jemanden erschiesst, weil er Autos vandaliert; oder wenn auf ein Auto schiesst, weil es nicht stoppt und falsch abbiegt um der Verkehrskontrolle zu entkommen; oder wenn auf Jugendliche geschossen wird, wenn sie vor der Polizei weglaufen (egal, ob sie was aufn Stecken haben oder einfach nicht wegen einen fadenscheinigen Grund festgenommen werden wollen), dann geht das eindeutig zu weit. Und bei solchen Vorkomnissen gibt es auch keine grossen Proteste, das sind ja nur Verbrecher. Die UN sagt dazu dass es einige Hinweise gibt, dass diese Toetungen von der Polizei systematisch und geplant sind, nicht blosse Unfaelle oder Aktionen von einzelnen Polizisten.

Was gibt es sonst noch ueber die Polizei zu berichten: Wenn Strassenkinder von der Polizei aufgegriffen werden, ist es keine Seltenheit, dass sie einfach verpruegelt werden – die muessen ja lernen, dass sie nicht erwuenscht sind. Wenn Demonstrationen sind (von Lehrern; von IDPs, darunter Frauen und Kinder, siehe Kenia Politisch; gegen Korruption in der Regierung) dann wird regelmaessig Traenengas erwendet und Festnahmen duerfen auch nicht fehlen.

Aber nun was es bei mir neues gibt: Gestern war ich mit einen Sozialarbeiter von Kwetu Home of Peace im Stadtzentrum, um einen weggelaufenen Jungen wiederzufinden. Wir haben ihn auch gefunden, und zwar in seiner „Base“. Die Base, also die Basis, ist der Platz wo eine Gruppe von Strassenkinder schlafen, wo ihr Zuhause ist. In diesem Fall war die Base auf der Mittelinsel eines Kreisverkehrs unter Bueschen – durch ein paar Planen vor Regen geschuetzt. Es waren ca. 10 Jungs dort, ich schaetze zwischen 8 und 14 und zwei Aeltere. Alle hatten ne Flasche mit Klebstoff zum schnueffeln. Zwei sind erst vor kurzen von anderen Jungs beschnitten worden. Mit den Jungs zu reden und all das zu sehen – es ist wie in einer anderen Welt. Und nur 5 Meter daneben fahren Hunderte Autos vorbei ohne auch nur eine Ahnung von dieser Welt zu haben, oder ohne ein Interesse daran zu haben.
Der Junge der weggelaufen ist, wollte nicht mitkommen, dafuer konnten wir zwei andere Jungs mit zu Kwetu nehmen. Ich haette ja am Liebsten alle mitgenommen, aber das war einfach nicht moeglich…

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Sport ist Mord?

14. Februar 2009

Ich hoffe stark, dass das nicht stimmt, denn die letzte Woche ist bei mir unter dem Motto Sport gelaufen, und alles laeuft soweit ueber Kwetu – Home of Peace. Seit ein paar Wochen gibts dort jeden Samstag ein Crickettraining fuer die Jungs. Und da habe ich letzten Samstag mitgemacht, wie oft hat ma al Oesterreicher schon die Chance Cricket zu lernen. So weit hab ich gelernt, wie man den Ball haelt und wirft 🙂 Habe mir noch ein paar Regeln erklaeren lassen und ich werd bei dem Training sicher noch oefter mitmachen. Und dann gibts noch Joggen: ein paar Mitarbeiter und aeltere Jungs von Kwetu gehen zeimal die Woche laufen, Donnerstag habe ich da mitgemacht und nachdem ich viel zu schnell aus der Puste war, werde ich da auch noch mehr machen. Und bald haben wir bei Kwetu wieder ein paar Gewichte, sprich Gewichtheben ist auch bald abgedeckt.
Wenn ich dann noch so alle 2 Wochen schwimmen geh und das Fahrrad daheim repariert ist, damit ich zur Arbeit radeln kann ist das Fittnessprogramm komplett 🙂

Und das ganze Programm kann ich als Vorbereitung fuers Berge erklimmen sehen. Ich hab eine Einladung fuer ne Besteigung des Mt. Kenya im Maerz und fuer Mt. Kilimanjaro kurz bevor ich abfliege, waer eigentlisch schon ganz cool 😀

Am Schluss wuerde mich noch interessieren, welche Klischees und Vorurteile ihr so ueber Afrikaner habt oder gehoert habt, dann kann ich vielleicht ein wenig herausfinden, wieviel davon ein wenig stimmt oder wieviel davon auf Missverstaendnisse beruht. Zum Beispiel habe ich in Nairobi schon oft gehoert, dass die Kenianer an der Kueste total faul sind – ohne zu Bedenken, dass es dort viel heisser ist und koerperliche Arbeit einfach nicht non-stop moeglich ist; haeufige Pausen sind dort also einfach notwendig um nicht umzukippen.

Halbzeit

9. Februar 2009

Schon ein halbes Jahr um, auf den Tag genau… ich weiss ja nicht, wie es fuer euch ist, aber hier vergeht die Zeit total schnell. Eine Freiwillige, die mit mir im Einfuehrungscamp war, ist schon zurueck in Deutschland, einer aus Daenemark folgt bald… ich kann mir irgendwie kaum vorstellen wie es sich anfuehlt wieder zurueck zu fliegen, einfach weil es fuer mich noch so weit weg ist. Die Spannung vorm Unbekannten ist nicht mehr , gleichzeitig denke ich noch nicht ans zurueckfliegen, Tourist bin ich auch keiner… ich lebe einfach hier. Nairobi ist irgendwie ein drittes Zuhause geworden 🙂

Was hat sich bei mir die letzte Woche getan, mein juengerer Bruder ist seit letzten Montag im Internat, sprich Zuhause ist es um einiges stiller 🙂 Montags war ich im Stadtzentrum, hab mir den Film Changeling angesehen (kann man sich ansehen, gut gemachter Film ueber eine wahre Geschichte), und auf dem Weg zum Matatu bin ich Opfer eines Taschendiebs geworden… Zumindestens hat er’s versucht 🙂 Bin in einer Menge von vorne geblockt worden (dass das Blocken absichtlich war, hab ich erst spaeter realisiert, in dem Moment gings viel zu schnell) und einen Moment spaeter war eine Hand in meiner Gesaesstasche. Hab mich umgedreht und den Kerl ziemlich angefahren, der dann auch gleich ganz unaufaellig (er war der Einzige der nicht zu mir gesehen hat) verschwunden ist. Da ich ausser ein paar Rechnungen eh nix in der Tasche hatte, hab ich auch keinen groesseren Aufstand gemacht, es ist mirs nicht wert, dass er eventuell weiss Gott wie schlimm verpruegelt wird. Aber der Taschendieb war anscheinend nicht soo gut, weil er sogar die Rechnungen in meiner Tasche gelassen hat 😀
Dazu passt jetzt auch noch ne kurze Zusammenfassung von Diebstaehlen von anderen Freiwilligen: es gab einen Raubueberfall (ohne Waffen, aber trotzdem): Reisepass, Handys, Geld, Kreditkarten wurden dabei gestohlen; eine Handtasche aufgeschlitzt und ansonsten wurden noch etliche Handys gestohlen. Sofern ich auf dem Laufenden bin, bin ich von den Leuten aus meinen Camp der Einzige, dem noch nichts gestohlen wurde 🙂

Sonstige Kleinigkeiten: Ich habe mittlerweile ein „Alien Certificate“ oder netter gesagt, nen Ausweis als Einwohner Kenias. Bekomme dadurch die ganzen Eintritte fuer Kulturzeugs billiger als Touristen. Ich bin letzte Woche in nen Mercedes mitgefahren. Mit eingebauten DVD-Player. Kugelsicher *ggg* Fragt mich nicht wieso, ist eine lange Geschichte 🙂 Was auch noch interessant sein koennte: es gibt hier verhaeltnismaessig viele VW Kaefer zu sehen, und die eine oder andere Ente hat sich auch nach Kenia verlaufen.

Fuer alle Salzburger: Ich bekomme bald die Wahlkarten fuer den Landtag und die Buergermeisterwahl. Allerdings hab ich keine Ahnung ovn Wahlprogramm und Kandidaten. Kann ich da ein paar Informationen bekommen? Danke!
Thomas: Wenns die EU-Wahlkarten gibt: schick sie zur Botschaft.

Fuer Facebookler: Ich bin inzwischen bei Facebook angemeldet. Lasst mich eure Namen wissen 🙂

Fuer alle die mich vermissen: In 6 Monaten um diese Zeit bin ich schon in Oesterreich gelandet.

Feuer und nochmal Feuer

2. Februar 2009

Nachdem ich von einigen Leuten danach gefragt wurde, schreibe ich kurz was ueber zwei Ungluecke, die letzte Woche in Kenia geschehen sind.

Das erste war ein Feuer in einen 24-Stunden-Supermarkt im Stadtzentrum von Nairobi. Vermuteter Grund: Kurzschluss des Generators. Die Feuerwehr war auch schon nach ein paar Minuten da, allerdings hatten die kein/bzw. nicht genug Wasser mit. Dazu kommt, dass die Stadt Nairobi nicht genuegend und nicht gut genug ausgeruestete Feuerwehrautos hat, sprich beim Feuer waren nur drei der Stadt. Spaeter sind dann noch private Feuerwachen (G4S und noch ein oder zwei andere Firmen) aufgekreuzt und Wasserwerfer vom Militaer. Ein Problem beim Feuer war, dass im Supermarkt Gas verkauft wird und die Gascontainer nach und nach explodiert sind. Bisher sind knapp Tote gefunden worden, bis zu 20 Personen sind noch vermisst. Die Gruende fuer die grosse Anzahl an Toten: Selbst nach drei Stunden war kein Feuerwehrauto mit einer Leiter vor Ort, Rettungsaktionen koennten also nur durch den Eingangsbereich stattfinden – aber genau dort sind immer die Gascontainer gelagert; Schutzanzuege und Atemmasken fuer die Feuerwehrleute war kaum vorhanden, meistens nur Helm und Jacke – und bei dem Feuer gab es eine grosse Rauchentwicklung; es wird noch untersucht, aber nach Augenzeugenberichten, endete eine Tuer die von Aussen als Notausgang gekennzeichnet war, vor einer dicken Mauer und andere Notausgaenge waren angeblich zugesperrt; und angeblich haben die jaehrlichen feuerpolizeilichen Ueberpruefungen nicht stattgefunden – Korruption ist in Kenia (in kleinen und grossen Stil) ziemlich verbreitet.
Meine Schluesse: Suche nach maximalen Profit (Supermarkt will kein Geld fuer Schutzmassnahmen ausgeben; Notausgaenge zusperren, damit dort niemand mit gestohlenen Waren abhauen kann), nicht genug staatliches Budget fuer die Feuerwache (die Hauptfeuerwache in Nairobi hat fuenf Feuerwehrautos, und das in einer Millionenstadt) und Privatisierung von Feuerwachen (dadurch braucht der Staat, die Stadt nicht soviel Geld fuer Feuerwehrautos ausgeben, man hat ja die Privaten – die allerdings wieder einen maximalen Profit haben wollen) haben hier einige Leben gekostet.

Das zweite Unglueck war nach einen Unfall eines Tankwagens in Molo, 100km von Nairobi entfernt. Nach Benzin aus dem Tank ist ausgelaufen, es gab vorerst keine Explosion. Danach sind jedoch immer mehr Menschen gekommen, die einige Liter von den auslaufenden Benzin abfuellen wollten – wann gibt es schon gratis Benzin? Dazu muss man sagen, dass der Benzin hier verglichen zum Einkommen viel teurer ist als in Europa, in September war es sogar fast der gleiche Preis; zusaetzlich gibt es immer wieder eine Knappheit an Benzin. Tja, und waehrend Hunderte Leute Benzin stehlen wollten, hat – soweit der derzeitige Stand der Untersuchung – einer der Verunglueckten ein Streichholz angezuendet… 113 Tote, knapp 200 Verletzte. Laut Roten Kreuz wird die Anzahl der Toten noch steigen. Die Krankenhaeuser in der Umgebung sind einfach nicht auf solch eine Anzahl an Verletzten vorbereitet, viele mussten in Krankenhaeusern am Boden liegend auf aerztliche Hilfe warten.
Und was spaeter fuer viele sicherlich ein Problem wird: es gibt keine gesetzliche Krankenversicherung. Und wer sein Leben riskiert um ein paar Liter Benzin zu ergattern, kann sich wahrscheinlich keine private Krankenversicherung leisten. Sprich viele Ueberlebende muessen die Behandlung selbst bezahlen, ich kann mir nur nicht vorstellen, wie das klappen soll.