Archive for Januar 2009

Kenia Politisch

30. Januar 2009

Letztes Mal habe ich versprochen etwas ueber die Gewalt nach den Wahlen letztes Jahr zu schreiben. Nach den Wahlen Ende Dezember haben die zwei groessten Parteien den Anspruch auf das Praesidentenamt erhoben und der alte Praesident, Kibaki, hat sich schon nach ein paar Stunden nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses erneut einschwoeren lassen. Beide Parteien haben sich gegenseitig Wahlbetrug vorgeworfen. Nach der Bekanntgabe des alten, neuen Praesidenten haben die Unruhen angefangen. Polizei, Wenn man vom Stamm Kikuyo war, galt man automatisch als Anhaenger vom jetztigen Praesidenten Kibaki, wenn man vom Stamm Luo war, dann als Anhaenger vom jetztigen Premierminister Raila Odinga. Nun kann man in Kenia am Namen erkennen, welchen Stamm man angehoert und dadurch wurde man in die Unruhen einbezogen, egal ob man wollte oder nicht. In den Wochen/Monaten nach der Wahl sind zwischen 800 und 1.500 Menschen getoetet worden oder sind immer noch vermisst. 180.000 bis 250.000 Personen sind vertrieben worden – teilweise von den Nachbarn neben denen man jahrelang gelebt hat, Fluechtlinge im eigenen Land. Die Meisten davon wurden in Camps „vorruebergehend untergebracht“, andere konnten bei Verwandten in Gegenden unterkommen, in denen die Gewalt nicht so stark war. Im Moment sind noch immer Tausende Kenianer in diesen Camps – mehr als ein Jahr nach der Gewalt.

Um die Ursachen und Haupttaeter der Gewalt nach den Wahlen zu finden, wurde eine Untersuchungskommission gegruendet. Die schloss die Untersuchung dann unter anderem mit einer Liste von Verdaechtigen, die die Gewalt aufgewiegelt hat – darunter sechs Minister, deren Namen aber bisher nicht genannt wurden…

Dazu kommt, dass durch die Gewalt grosse Teile der Ernte zerstoert wurden oder einfach nicht gesaet wurde. Daher – und wegen langer Trockenheit und Korruption der grossen Haendler – ist in Kenia derzeit eine Knappheit bei Grundnahrungsmittel, die Preise steigen, in einigen Gegenden verhungern Menschen…

Vor kurzem wurde ein neues Gesetz in Kraft gesetzt, das es der Regierung erlaubt, Mediaanstalten ohne richterlichen Beschluss zu durchsuchen, einzelne Sendungen abzusetzen oder ganz zu schliessen. Ob das noch mit der Meinungsfreiheit zusammenpasst, kann sich jeder selbst ausrechnen. Das Gesetz wird noch umstrittener, wenn man weiss, dass die Polizei 2006 eine Fernsehanstalt und ein Zeitungsverlag „ueberfallen“ hat und dabei Maschinen zerstoert und verbrannt hat.

Da noch nebenbei Parlamentarier fuer den groessten Teil des Gehalts keine Steuern zahlen, Preise fuer Grundnahrungsmittel steigen und Lehrer schon seit Jahren keine Gehaltserhoehung bekommen haben, gibt es immer wieder Demonstrationen. Und die Demonstrationen werden immer wieder von der Polizei mit Wasserwerfern und Traenengas bekaempft, unabhaengig davon, ob die Demonstration friedlich war oder nicht. Und wenn man zu einer Rede des Praesidenten mit T-Shirts mit Regierungs-kritischer Aufschrift kommt, kanns schon passieren, dass man festgenommen wird.

Was macht die Regierung sonst noch… In South C – der Stadtteil, in dem ich wohne – und Umgebung raeumt das City Council seit ein paar Monaten auf. Sprich es werden kleine Geschaefte, aus Wellblech und Sperrholz zusammengezimmert, die ohne Genehmigung sind zerstoert; es wird eine durchgehende Strassenbeleuchtung eingerichtet; Strassenmarkierungen werden aufgemalt; Bumps werden markiert. Hoert sich im ersten Moment richtig gut an, allerdings gibts da ein paar Kollateralschaeden. Bei den Zerstoeren der illegalen Geschaefte wurde in einen Slum versehentlich auch eine Gemeinschaftsschule zerstoert. Die Schule wird gerade wieder aufgebaut; die Kinder, die dort zur Schule gehen haben daher Pech, sie muessen eine andere Schule finden oder warten bis die Schule wieder aufgebaut ist, damit sie wieder Unterricht bekommen.

Die Inhaber der zerstoerten Geschaefte verliert dadurch die einzige Einnahmequelle, aber irgendwo muss Geld her um zu ueberleben oder die Famile zu ernaehren. Viele Optionen gibt es da nicht: woanders erneut ein Geschaeft ohne Genehmigung aufbauen (genug Geld fuer ne Genehmigung verdient man nicht leicht), betteln oder stehlen… Sprich die Gegend ist jetzt unsicherer als zuvor, einfach weil es mehr Arbeitslose gibt – und Arbeitslosengeld gibts hier nicht.

Zur gleichen Zeit werden kleine Einkaufszentren gebaut, wo Miete zu bezahlen ist, kann sich nicht jeder leisten. Sprich durch das Aufraeumen des City Councils verdienen die Leute mit Geld (die sich Genehmigungen oder Mieten leisten koennen) mehr Geld, und der Rest wird arbeitslos, ohne Unterstuetzung des Staates.

Das Gleiche wurde vor Jahren im Stadtzentrum gemacht: vor ca. 10 Jahren konnte man im ganzen Stadtzentrum Strassenkinder sehen, 2009 nur mehr vereinzelt bettelnde Kinder. Dazwischen gab es eine Aufraeumaktion des City Councils. Und erneut sieht es gut aus: die Touristen werden nicht von der armen Bevoelkerungsschicht belaestigt, aber zur gleichen Zeit ist die Anzahl der Strassenkinder in Nairobi angestiegen – sie sind einfach in den auesseren Bezirken der Stadt.

Fuer mich sind daher die Aufraeumaktionen der Stadt nur fuer die Ober- und Mittelschicht, die Armen und Aermsten werden immer weiter ins Abseits geschoben.

Ja, so siehts im Lande aus… zum Schluss noch ein wenig zu mir: die Woche habe ich mir die Haare auf ein paar Millimeter scheren lassen, Foto kommt spaeter. Bei Kwetu – Home of Peace sind ein paar Jungs weggelaufen, darunter auch welche, die sich immer Bestens benommen haben, staendig was lernen wollten… es ist fuer mich immer wieder ein Schock, wenn einer zurueck auf die Strasse laeuft…

Kurz noch zum Wetter: seit Anfang Dezember hats hier nur an drei (3) Tagen geregnet!

Und wie immer, wenn jemand mehr ueber ein Thema wissen will oder es unklar ist: einfach fragen 🙂

Zweiter Versuch

23. Januar 2009

Der Grund warum ich nicht mehr so oft schreibe ist einfach, dass ich soo viel zu tun habe. Ich hab so viele Leute kennengelernt, so viele Plaetze, dass da einfach nicht mehr so viel Zeit fuers Internet Cafe uebrig bleibt.

Silvester habe ich mit den ICYE-Freiwilligen in einen Appartment (das 2 Freiwillige gemietet haben, mehr dazu in einen anderen Eintrag) gefeiert. Hat Spass gemacht, Feuerwerk hab ich leider nur im Fernsehen gesehen und von den TV-Sendern hat auch nur einer den Countdown fuers Neujahr gezeigt, kein Vergleich zum Silvester-Fernsehprogramm daheim. Dafuer haben wir um 2 Uhr Matrix angesehen 😀

Es war geplant, dass ich mit meiner Familie zu den Verwandten aufs Land fahre – hat aber leider nicht geklappt, weil ich zur selben Zeit ein ICYE-Camp hatte. Naechster Versuch ist im April geplant 🙂

Dazwischen gabs noch den Peace Caravan. Da haben ein paar Organisationen – u.a. ICYE – nen Bus gechartered, um Regionen in Kenia zu besuchen, die von der Gewalt nach den Wahlen (hab ich davon schon was geschrieben? Ich glaub nicht, mehr dazu ein anderes Mal 🙂 ) letztes Jahr besonders betroffen waren. Es war echt interessant und lustig, aber leider waren wir fuer die meisten Aktionen zu spaet: der Bus war einfach zu alt und gebrechlich 😀

Dann war ich noch auf einer Hochzeit von einer Arbeitskollegin meiner Mutter. Viel unterschiede zu Hochzeiten in Oesterreich gibts nicht: Andere Taenze, die Hochzeit ist im Freien, kein Brautstehlen; aber sonst: Kuchen anschneiden, viele Reden, Essen, Unterhaltung, Ringe… Mal sehen ob ich nochmal eine traditionelle Hochzeit besuchen kann. Aber ich glaube das Brautpaar hat sich ziemlich gewundert, wer der weisse Kerl ist, der auf ihrer Hochzeit Fotos schiesst 😀

Naechster Punkt Kwetu – Home of Peace: Seit drei Wochen bin ich wieder dort und wir haben einen neuen Stundenplan organisiert. Das heisst ich unterrichte jetzt mehr (Mathematik, Naturwissenschaften, Geographie und Geschichte, Schreiben und Lesen), bin fuer Kunst bzw. Basteln (ja, ich bin da ja so talentiert :D) verantwortlich und starte bald mit Computerunterricht. Wenn das alles laeuft und die Webseite endlich aktualisiert ist, werde ich versuchen ein Projekt Deutschunterricht zu starten; nachdem seit dieser Woche eine ICYE-Freiwillige aus Deutschland zu Kwetu – Home of Peace gekommen ist, koennte das klappen. Spass macht die Arbeit mit den Jungs noch immer 🙂

Was hat sich noch getan: Ich hab vor kurzen zwei andere Projekte besucht – das ist der grosse Vorteil von Kwetu – Home of Peace: es kommen viele Besucher und es gibt viel Kontakt zu anderen Projekten – eine Schule/Waisenhaus in Kibera, der groesste Slum in Kenia und wahrscheinlich der zweitgroesste in Afrika, und das Projekt Work for Food in Kawangware, ein wenig ausserhalb von Nairobi. Die Schule ist viel zu klein fuer die Anzahl der Schueler und ist zu groessten Teil aus Sperrholz und Wellblech gebaut – es wird gerade an einer Webseite gebastelt, ich werde die hier verlinken :). Work for Food ist eine ziemlich gute Idee: das Projekt bekommt Essensspenden, die aber nicht sofort an die Menschen weitergegeben werden: erst wenn etwas Arbeit fuer die Gemeinschaft verrichtet wurde (etwa Kochen in kleinen Schulen, Strassen reparieren, oeffentliche Gebaeude ausmalen, putzen…) gibt es als Lohn Essen. Und ich bin mir sicher, dass es sich besser anfuehlt fuer das Essen zu arbeiten, als einfach nur Almosen zu bekommen. Daneben fuehrt work for Food noch eine Gemeinschaftsbibliothek, ein Gemeinschaftskrankenhaus in Kibera und vieles mehr 🙂 Webseite ist in Planung 😉

Und wer hat von euch schon Madagascar 2 gesehen? Da gibts ein Nilpferd das Motomoto heisst; und Moto ist Kiswahili fuer Feuer oder heiss, nur um mal ein wenig anzugeben, dass ich das versteh 😉

Grml

18. Januar 2009

Nachdem ich grade ne Stunde an nen Beitrag geschrieben und Fotos hochgeladen habe, hat WordPress alles geschluckt und nur meinen Erinnerungsentwurf ausgespuckt.

Weils schon spaet geworden ist, und ich nicht nochmal schreiben will (zumindestens ned jetzt) ist es auch das einzige was ihr bekommt, sorry…

peace caravan

hochzeit

neuer stundenplan

neues projekt

silvester

imf weltbank

aufreaumen in south c