Archive for November 2008

Die Schock-Strategie

22. November 2008

Ich kann mir einen Stefan-Beitrag nicht mehr verkneifen: Im Moment lese ich das Buch „The Shock Doctrine“ von Naomi Klein (in Deutsch: „Die Schock-Strategie“). Wikipedia zum Buch: „Die Autorin stellt darin ihre Hypothese vor, dass ein Schock wirtschaftlicher, militärischer Art oder auch in Form einer Naturkatastrophe dazu genutzt wird, um über politischen Einfluss massiv Privatisierungen voranzutreiben“. Derzeit ist in dne Nachrichten ja staendig die Rede von der groessten wirtschaftlichen Krise seit… . Dazu gab es vor kurzem das Treffen der G20-Laender (Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenlaender) und dazu hab ich einen Ausschnitt von Bushs Rede auf Al Jazeera gesehen, in der er bekraeftigt, dass Freier Handel weiter die Unterstuetzung der G20-Laender hat und Protektionismus – sprich Schutz vor reinen Kapitalismus – der falsche Weg waere: „We must recognize that government intervention is not a cure-all. History has shown that the greater threat to economic prosperity is not too little government involvement in the market — but too much.“. Und damit bestaetigt Bush zu 100% die Hypothese in Naomi Kleins Buch: eine Wirtschaftskrise kann durch Globalisierung einfach die ganze Welt betreffen und die Loesung soll noch mehr Globalisierung, noch mehr Kapitalismus und noch weniger Unterstuetzung des Staates sein. Und in „The Shock Doctrine“ werden die verheerenden Auswirkungen von solchen Loesungen aufgezeigt: mehr Arbeitslosigkeit, mehr Armut und mehr Geld fuer die Reichen…
Das Buch allein ist schon schockend, aber Bushs Aussage im Kontext der Schock-Strategie ist beangstigend.

Zu viel zu schreiben

22. November 2008

Sorry fuer die lange Pause, mein Schreibareal im Gehirn hat einen kurzen Urlaub eingelegt. Dafuer gibts heute zwei Artikel.

Letztes Mal hab ich versprochen, dass ich mehr ueber Wazungu schreibe. Wazungu ist Kiswahili fuer Weisse. Dass man in laendlichen Gebieten als Weisser ziemlich auffaellt ist mir ja schon vorher gesagt worden (und durch einen Freiwilligen hier bestaetigt worden), aber ich dachte, dass es in einer Millionenstadt wie Nairobi nichts in der Richtung gibt. Aber weit gefehlt: Wenn man nicht direkt im Stadtzentrum ist, sieht man Weisse vielleicht einmal die Woche; auf meinen Weg zu Kwetu – Home of Peace hoer ich fast jeden Tag jemanden „Muzungu“ (Einzahl von Wazungu) rufen; als Weisser gilt man als amerikanischer Tourist, der viel Geld hat. Dadurch wollen ziemlich viele mit mir ins Gespraech kommen, einfach nur wiel ich ne weisse Hautfarbe habe. Teilweise ist es ganz lustig und ziemlich cool, weil man dadurch viele verschiedene Leute kennenlernen kann, aber manchmal ist es einfach nervig, weil man kaum ungestoert gehen kann. Und man weiss nie, ob man nur angeredet wird, weil sie spaeter Geld fuer etwas haben wollen oder durch mich irgendwie nach Europa kommen wollen.

In Kwetu – Home of Peace ist seit 2 Wochen eine Freiwillige weniger, was sich im Programm bemerkbar macht; man kann einfach nicht mehr so viele Sachen machen. Derzeit konzentriere ich mich vormittags aufs Alphabet unterrichten, was oft ziemlich Spass macht (die Jungs geniessen die ungeteilte Aufmerksam und manchmal gibts auch ein Danke dafuer, dass man ihnen ein paar Buchstaben beigebracht hat). Nachmittags ist dann mehr das Unterhaltungsprogramm: Indoor Games (sprich Brettspiele wie Mensch Aergere Dich Nicht und Dame, die selbst gemacht wurden, oder Kartenspiele, wie Memory und Quartett); Basteln und Sport. Wenn grad kleine Pausen zwischendurch sind oder ein paar Jungs nichts zu tun haben, dann mach ich mit den Jungs was mir grad einfaellt. Von kleinen Spielen, Raetsel, etwas ueber Oesterreich erzeahlen, Geschichten mit den Jungs lesen, einfach herumtoben… Ja, so sehen meine Tage bei Kwetu – Home of Peace derzeit aus, ich kann nur nicht sooo viele Details schreiben, weil sonst meine Artikel noch viiiel laenger werden 🙂

Morgen gibts bei Kwetu – Home of Peace Beschneidungen – ich hab dankend abgelehnt – leider nicht mit traditionellen Zeremonien, mal sehen wie das wird 🙂 Am 6. Dezember gibts dann die Weihnachtsfeier in Kwetu – Home of Peace, weil danach viele Jungs ueber die Ferien nach Hause duerfen und danach bin ich fuer ein paar Wochen am Land bei Verwandten der Gastfamilie: kein Strom, kein fliessendes Wasser 😀

Am Schluss noch etwas Politisches als kleine Ueberleitung zum naechsten Artikel: Als Obama als Sieger feststand – hab das und die Rede von Obama Live im TV gesehen – war mir schon klar, dass hier gross gefeiert wird, nachdem schon vorher Obama-Aufstecker, -Poster, -T-Shirts usw. verkauft wurden. Im Fernsehen gabs Werbespots (Werbung fuer Farben: „Aber das Weisse Haus muss nicht Weiss bleiben – Und Weiss ist soo gestern!“)… Aber als die Meldung im Fernsehen kam, dass der Tag nach der Wahl ein nationaler Feiertag in Kenia ist… einfach nur verrueckt 😀

Geburtstag

1. November 2008

Erster Punkt: Fotos sind da und bei den passenden Artikeln eingepasst 🙂 Viel Spass beim durchklicken. Update: Ein paar zumindestens 🙂

Zweiter Punkt: Ich hatte Freitag vor ner Woche meinen ersten (und wohl einzigen) Geburtstag in Kenia. Hab dafuer von meinen Eltern ein Paket bekommen *freu* Aber das Paket abholen war echt kompliziert und etwas langwierig. Und das Schlimmste: Ich habs am Tag vor meinen Geburtstag abgeholt und ich hab am Postamt das Paket und die Geschenke, die noch extra verpackt waren, aufmachen muessen 😦 Geburtstagsgeschenke weit weg von daheim in nen Postamt, wo man keinen kennt, einen Tag vorm Geburtstag auchzumachen war echt hart! Aber hauptsache das Paket ist angekommen, hat mich echt gefreut! Daher hier nochmal: DANKE 😀

Den Geburtstag selbst hab ich ganz unterschiedlich gefeiert. Im Projekt hab ich am Freitag ein paar Kokosnuesse (10 Cent das Stueck :D) aus Mombasa mitgenommen und das haben wir als Geburtagskuchen gegessen. Montags hab ich dann noch von Freiwilligen im Projekt selbstgebackene Kekse und Schokolade bekommen 🙂
Am Abend bin ich dann mit ein paar ICYE-Freiwilligen, mit denen ich im Orientierungscamp war, ausgegangen. Erst Pizza und lecker Brot in inem italienischen Restaurant, inklusive Geburtstagskuchen und dann tanzen bis in den Morgen. War echt lustig 🙂


Mit der Familie wurde allerdings nicht gefeiert, da gabs nur ein „Happy Birthday“ in der Frueh und das wars, ab nen bestimmten Alter feiern sie keinen Geburtstag mehr :/ Hab dann noch mit ner halben Tafel Schokolade und meinen Bruder am Sonntag nachgefeiert 🙂

Weil ich immer wieder gefragt werde, was man in Nairobi kaufen kann, muesst ihr jetzt alle was darueber lesen. Nachdem Nairobi ne Millionenstadt ist, gibts hier eigentlich alles zu kaufen, oft sogar mit bekannten Marken (vor allem Kosmetika): Knorr, Axe, Nivea, Red Bull, sogar Kinderschokolade, Bueno, Haribo… Daneben gibts dann noch nachgemachte Produkte wie Mr. Potatoe (Pringles-Klon). Bei den lokalen Produkten ist der Preis meistens zoemlich niedrig; internationale Produkte wie Axe usw. kosten praktisch gleich viel. Fruechte sind extrem billig: Banane 5ct, Kokosnuss in Mombasa 10ct…, Sprit dagegen ist hier in der gleichen Preisklasse wie in Oesterreich; und hier verdient man dazu noch weniger.
Einkaufen kann man entweder in normalen Supermaerkten oder an kleinen Geschaften am Strassenrand, da ist es meistens billiger und die Fruechte frischer.

Wenn man als Weisser irgendwo etwas kauft, wo es keine Preisschilder gibt, kann man sich darauf gefasst machen, dass es den Weisse-Leute-sind-reich-Zuschlag gibt. Verhandeln und den ungefaehren Preis schon vorher wissen ist also unbedingt notwendig 🙂 Mehr ueber Wazungu gibts neachstes Mal 🙂