Archive for September 2008

Kontraste

23. September 2008

Nachdem ich vom Wetter in Oesterreich gehoert habe: Hier ist staendig Sonnenschein (okay, vor zwei Woche waren drei Tage mit extremen Regenschauern) und langsam wirds richtig heiss. Damit kann ich mich echt anfreunden 🙂

Am Samstag war der Kwetu Day, der ist ziemlich gelungen. Alles schoen geschmueckt, ein Bischof ist gekommen, Fernsehen war da, das Essen und der Kuchen (!!) waren gut und die Showeinlagen von den Jungs waren auch ziemlich gut 🙂 Hat einfach Spass gemacht. Fuers Fest haben alle Kinder von Kwetu – Home of Peace das gleiche T-Shirt und die gleiche Jeans angehabt, dazu hatten alle nen kahlgeschorenen Kopf … da wirds schon wieder schwer alle auseinanderzukennen! 😀 Das Fest selbst war ziemlich cool, die Jungs waren ziemlich heiss auf meine Kamera, weil ich die zum ersten Mal mitgenommen hab. Insgesamt sind ca. 400 Fotos rausgekommen und etliche Video mit nen Camcorder. Fotos gibts bald, die muss ich erst noch aussortieren und hochladen, ich hoff naechste Woche 🙂 Heute war in der Zeitung ein Foto vom Fest und ich bin im Hintergrund beim Filmen zu sehen 😀

Am Sonntag hat mich ein Kenianer von Kwetu – Home of Peace auf ne kleine Tour durch bzw. am Rande von nen Slum mitgenommen, das erste Mal im Slum. Die „Haeuser“ waren – wie mans ausn Fernsehen kennt – aus Wellblech und/oder Sperrholz gebaut, allerdings kann man zwischendurch immer wieder ne Satellitenschuessel sehen, ziemlich extremer Kontrast. Und ueberall sind kleine Kirchen, ueberall hoert man Prediger schreien, das war echt zuviel des Guten. Von Hygiene braucht man ned viel zu reden, Toiletten sind in der Naehe vom Fluss und werden natuerlich ungefiltert hineingeleitet und Trinkwasserqualitaet gibts auch ned. Ich bin auch noch auf nen Tee bei seinen Eltern eingeladen worden, war zwar ein Steinhaus, aber nicht verputzt, kein fliessendes Wasser (im Slum sowieso nicht) und allein beim Aufstreichen von Butter aufs Brot, hat man gesehen, wie sparsam sie sein muessen. Danach war ich noch im Krankenhaus, weil eine Cousine vom Gastbruder, sie ist ca. gleich alt wie ich, sich mit fleischfressenden Bakterien infiziert, die sich im Arm eingenistet haben. Wird aber wieder ganz gesund, war halt extrem wie ich das gehoert habe.

Seit Montag ist ein Kind von Kwetu – Home of Peace bei seiner Familie, aber nur fuer die Beerdigung seines Bruders. Der Bruder war frueher auch bei Kwetu – Home of Peace, ist aber wieder weggelaufen. Am Samstag bevor ich bei Kwetu – Home of Peace angefangen habe, ist er wieder zurueckgekommen, total schwach und benebelt. Die Leute von Kwetu – Home of Peace haben noch versucht ihm zu helfen, aber er ist noch am selben Tag gestorben. Und er war hoechstens 12 oder 13 Jahre alt. Wenn ich mir vorstelle, dass einer von den Jungs die jetzt bei Kwetu – Home of Peace sind, weglaeuft und dann stirbt… Ich will mir das gar nicht vorstellen. Aber dass Jungs die neu zu Kwetu – Home of Peace kommen, nach einiger Zeit weglaufen, kommt anscheinend oefter vor: damit muss ich sicher umgehen lernen.

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Einmalige Aktion (Update)

17. September 2008

Da ich bald meinen neuen MP3-Player zugeschickt bekomme, habt ihr die einmalige Chance mir ein Lied zu schicken. Schickt mir einfach eine E-Mail oder ein Kommentar mit Liedtitel und Kuenstler. Das Lied wird dann downgeloadet (natuerlich legal), auf den MP3-Player geladen und der wird mir dann geschickt 🙂 Wuerde mich echt freuen, wenn ich von ein paar Leuten solch einen Gruss bekomme. Einsendeschluss ist verlaengert bis 1. Oktober.

Zebras!

17. September 2008

Das Wichtigste zuerst: Ich habe meine ersten wilden Tiere gesehen – ja richtig geraten, Zebras! Die Geschichte dazu: Der aeltere Gastbruder war fuer ne Woche daheim und wurde dann am Sonntag vor einer Woche ins Internat zurueckgebracht. Ich war natuerlich dabei, dachte aber, dass es nur ne Fahrt in der Stadt sein wird. Aber falsch gedacht; das Internat ist mitten in der Steppe! Wir haben Nairobi verlassen und ploetzlich sind wir auf ner staubigen Landstrasse, keine Gebaeude und keine anderen Autos zu sehen. Dazu Wolken bei denen einzelne Lichtstrahlen hindurchscheinen und die Steppe. So wie mans im Fernsehen sieht, nur viel besser. Und dann war ploetzlich noch eine kleine Zebraherde in ca 200 Metern Entfernung gesehen. Ich hab nur noch begeistert aus den Fenster gestarrt, der Ausblick war einfach wunderschoen! Bei der Rueckfahrt hat dann aber ein Reifen schlapp gemacht. In eben der Gegend, wo nichts in der Naehe ist hatten wir einen Platten. Ich bin ja in Afrika um neue Erfahrungen zu machen, aber das… Zum Glueck war ein Ersatzreifen im Auto und der Reifenwechsel ging erstaunlich schnell und einfach. War eigenltich ganz lustig 🙂

Bei Kwetu – Home of Peace gehts immer noch ganz gut, diese Woche ist etwas durcheinander, weil am Samstag der Kwetu Day ist, 15 Jahre Kwetu – Home of Peace und da muss noch einiges vorbereitet werden, bin schon gespannt wie das wird. Mittlerweile kenn ich auch alle Namen von den Jungs die tagsueber hier sind und auch wenn ich abends meistens ziemlich muede nach Hause komme und es ziemlich anstrengd ist: Wenn morgens ein paar Jungs „Erik“ rufend auf mich zulaufen oder bevor ich geh einer sagt „Bitte bleib noch, wenn du nicht da bist, wird nicht soviel gelaechelt“ macht das alles wieder mehr als wett.

Womit ich mir derzeit am schwersten tu, ist, dass die Kinder koerperlich bestraft werden, wenn sie was falsch machen, sie unartig sind, oder der Lehrer denkt, dass sie was falsch gemacht haben. Das geht von einer Kopfnuss, ueber Schlaege mit dem Holzlineal bis zu Schlaegen mit einen Holzstock. Da ist es echt hart einfach zuzusehen oder wegzusehen, aber die Leiterin von Kwetu – Home of Peace will die Pruegelstrafe abschaffen; ich hoffe stark, dass das bald passiert. Nebenbei versuche ich noch die Leiterin davon zu ueberzeugen, dass es gut ist, wenn die Jungs mit Computern umgehen koennen. Ich hoffe das klappt auch 🙂

Nach der Arbeit koennte ich jeden Tag woanders sein, derzeit werde ich mit Einladungen ueberhaeuft, die werd ich langsam mal abarbeiten. Am Samstag war ein Mittagessen bei der Leiterin der Kirchenjugend, da gabs extrem viel und gutes Essen! Und da hab ich auch wieder ziemlich viel neue Leute kennengelernt.

Unter anderen auch ein Maedel, das bei den Unruhen nach der Wahl Anfang des Jahres mit ihrer gesamten Familie vertrieben worden ist. Das Problem bei den Unruhen war, dass man am Aussehen und Namen erkennt, welchen Stamm man angehoert. Und damit ist man einem der beiden Politikern zugeordnet worden und wurde dementsprechend behandelt. Das Gespraech war total interessant als auch ziemlich schockierend.

Sonntags hab ich fuer meine Gastfamilie einen Kaiserschmarrn gekocht. Und der ist ziemlich gut angekommen, nur wars viel zu wenig – irgendwas mache ich falsch 🙂

Kwetu Home of Peace

4. September 2008

Seit Montag bin ich beim Projekt und ich bin herzlichst aufgenommen worden. Zur Erinnerung: Kwetu Home of Peace (http://www.kwetuhome.org/) ist ein Rehabilitationszentrum fuer ehemalige Strassenkinder (Strassenburschen, Jungs die auf der Strasse gelebt haben… gibt es ne gute Uebersetzung fuer street boys?). Die Kinder gehen entweder aufs Internat und kommen in den Ferien zurueck, gehen auf ne Tagesschule und schlafen im Heim und die juengeren und neueren Kinder sind die ganze Zeit am Gelaende. Es wird von der katholischen Kirche geleitet, die Nonnen sind hauptsaechlich fuers Organisatorische zustaendig, die Arbeit mit den Kindern machen Angestellte und Freiwillige. Neben mir sind 4 andere Freiwillige da, eine Schwester aus Deutschland: die meisten davon sind aber nur fuer 2 Monate hier. Tagsueber sind ca 20 Burschen zwischen 7 und 14 am Gelaende und ich hab sie jetzt schon ins Herz geschlossen 🙂 Ic geh zu Fuss zum Projekt, das dauert ca ne halbe Stunde.

Bisher hab ich versucht mich einzufinden, einfach das tun, was die Kinder auch machen: Essen vorbereiten, Boden kehren, Waesche waschen, Fussball oder andere Spiele spielen, Buecher lesen… hat bisher ganz gut geklappt, auch wenn ich bei weitem noch nicht alle mit Namen kenne. Ab naechster Woche gibt es einen strengeren Zeitplan, weil dann die Ferien aus sind; dann werd ich auch irgendwas unterrichten. Was genau wird morgen ausgemacht, aber ich werd den Kindern auf alle Faelle den Computer naeher bringen, die werden derzeit gar nicht genutzt. Ich arbeite Montag bis Freitag von 8:30 bis 16:30, nur derzeit kommts mir nicht wie Arbeit vor, ich geh direkt ungern nach Hause, die Zeit verfliegt total schnell.

Was ist sonst noch passiert: Am Samstag war ich mit der Jugendgruppe der Kirche zu der ich geh im Kinom haben „Iron Man“ angesehen, die Gruppe ist ganz gut um ein wenig Anschluss am sozialen Leben zu finden 🙂 Sonntag war ich wieder in der Kirche, weil ein Bischof da war, Firmungen waren und ich vorher noch beim Jugendgottesdienst war hat das 5 (!!!) Stunden gedauert. Und ich hab mit der Jugendgruppe vor der ganzen Kirche „Oh Happy Day“ und ein anderes Lied gesungen; das war ziemlich schraeg. Am Sonntag nachmittag waren wir dann Eislaufen. Ja, Eislaufen 🙂 Hat ziemlich Spass gemacht, Frank (mein Gastbruder) kanns sogar ziemlich gut. Allerdings: Eislaufen ist gefaehrlich! Ich bin einmal mit voller Wucht gegen die Bande gedonnert. Hatte daher am Montag ein geschwollenes Knie, das bei jeder Bewegung weh getan hat. Mittlerweile ist es aber kaum noch geschwollen und tut nicht mehr weh, der kleine Zeh ist immer noch leicht geschwollen *grins*

Von all dem hab ich aber keine Fotos gemacht, weil meine Kamera gerade nicht funktioniert. Ich muss mal am Samstag zu nen Canon-Shop und hoffen, dass sies reparieren koennen. Und hochladen geht daher auch nicht.

Weil ich in ner E-Mail darauf angesprochen wurde: Ein Hausmaedchen hat in Kenia jede Familie ab Mittelklasse, das ist also nichts besonderes. Das Hausmaechden kocht, putzt, waescht die Waesche (auch meine, ausser Unterwaesche, die mach ich selbst).

Mit meinem Englisch hab ich hier kaum Probleme, bei manchen Worten gibts einfach zwischen dem Englisch das ich gelernt hab und dem kenianischen Englisch ne andere Aussprache, aber das funktioniert auch (zB wird bird and bat praktisch gleich ausgesprochen). Mit meiner Familie unterhalte ich mich grossteils in Englisch, ich versuche aber immer wieder auf Kisuaheli zu antworten. In Kwetu Home of Piece ist es das Gleiche, nur koennen da die juengsten kaum Englisch. Aber die Kinder da lehren mich eh jeden Tag Kisuaheli, einer, der kein Englisch kann, hat mich mal an der Hand gepackt, ist mit mir herum gegangen, hat auf Dinge gezeigt und dabei gesagt, wie es auf Kisuaheli heisst. Total suess.

Und ja: Meine Familie ist schwarz. Hab das bisher nicht geschrieben, weil das fuer mich ganz klar ist. Wenn ichs nicht extra dazuschreib ist jeder Schwarz 🙂